Erfahrungen aus der SARS-CoV-2- Pandemie am UKSH in Lübeck

Matthias Mezger*, Sebastian Wolfrum, Toni Pätz, Karolin Schmoll, Ingo Eitel, Tobias Graf

*Corresponding author for this work

Abstract

Hintergrund und Fragestellung: Inwieweit Verlegungen kritisch kranker, SARSCoV-2-positiver Patienten an ein tertiäres Zentrum Einfluss auf die Mortalität haben
bzw. wie präzise eine Mortalitätsprädiktion mittels SAPS-II-Score ist, wurde bisher in
Deutschland nur unzureichend untersucht.
Methode: Es erfolgte eine retrospektive Analyse der intensivmedizinisch versorgten
SARS-CoV-2-Patienten, die zwischen 01. März 2020 und 31. Dezember 2021 an einem
tertiären Zentrum behandelt und entweder direkt dort (PV) aufgenommen oder im
Krankheitsverlauf sekundär zuverlegt wurden (SV).
Ergebnisse: 165 SARS-CoV-2-Patienten mit SAPS-II-Score wurden intensivmedizinisch
versorgt. Die SV-Patienten waren signifikant jünger (SV: 62,2 Jahre [IQR: 51,9–72,4]
vs. PV: 70,8 Jahre [IQR: 58,3–79,9], p = 0,002) und wurden länger beatmet (SV
16,5 Tage [IQR: 7–31] vs. PV 7 Tage [IQR: 4–11], p < 0,001) bei jedoch gleicher
Krankenhausmortalität (SV 53,3 % vs. PV 45,7 %, p = 0,41). Der SAPS-II-Score
unterschätzte die prognostizierte Sterblichkeit in beiden Kollektiven (SV 15,2 % [IQR:
7,9–26,6] vs. PV 19,6 % [IQR: 9,2–34,7], p = 0,17), ohne dass Unterschiede im Überleben
zwischen beiden Kollektiven erkennbar waren.
Diskussion: Die prognostische Aussagekraft des SAPS-II-Scores ist für SARS-CoV-2-
Patienten limitiert. Eine Verlegung der intensivmedizinisch zu behandelnden Patienten
erscheint sinnvoll, da die Mortalität unabhängig davon, ob Patienten primär im
tertiären Zentrum aufgenommen oder im Verlauf verlegt werden, vergleichbar ist.
Schlüsselwörter
Original languageGerman
JournalMedizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin
ISSN2193-6218
Publication statusPublished - 07.12.2025

Cite this