ABCDEF-COOP: Sozialpädiatrische Versorgung und bio-psycho-soziale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie; TP A3. Inanspruchnahme und Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen aus Sicht der Eltern

Project: Projects with Federal FundingFederal Funding: BMG (Health)

Project Details

Description

Die Corona-Pandemie traf die Bevölkerung und das Gesundheitswesen weitgehend unvorbereitet und es musste in rascher Zeit auf eine zunächst nicht abzusehende kritische Entwicklung der Gesundheit der Bevölkerung reagiert werden. Maßnahmen umfassten die soziale Distanzierung und Hygiene-Maßnahmen, die für Kinder und Jugendliche zu einschneidenden Veränderungen in ihren Lebenswelten führten. Diese psychosozialen Belastungen wurden in mehreren internationalen (Gassman-Pines et al. 2020) und nationalen Studien und Befragungen eindrücklich vorgestellt, z.B. in den Studien „Kind sein in Zeiten von Corona“ (Langmeyer et al. 2020), JuCo und KiCo-Studien (Andresen et al. 2021), COPSY-Längsschnittstudie (Kaman et al. UKE Hamburg)). Die in den Studien dargestellten Veränderungen in den Lebenswelten lassen vermuten, dass eine gute gesundheitliche und medizinische Versorgung auch während der Zeiten der Maßnahmen für Kinder und Jugendliche von größerer Bedeutung sind. Allerdings waren Einrichtungen des Gesundheitswesens durch die Maßnahmen in ihren Aktivitäten eingeschränkt und Versorgungsleistungen konnten ggf. nur teilweise erbracht werden. Insbesondere in sozialpädiatrischen Versorgungsbereichen wie den Früherkennungsuntersuchungen, der Behandlung in sozialpädiatrischen Zentren, aber auch der medizinischen Versorgung stationär und in spezialisierten Ambulanzen kam es zu zahlreichen Einschränkungen, die rasch alternative Behandlungsformen erforderten. Im Rahmen der unvorhergesehenen Einschränkungen und dem Wunsch nach Kontinuität in der Versorgung sind von Ärzt:innen sowie nicht-ärztlichen Fachkräften in Kliniken, Praxen und SPZ auch innovative Versorgungsformen entwickelt worden, die in diesem Projekt beschrieben werden sollen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Kindern und Jugendlichen mit besonderem, insbesondere multiprofessionellem Versorgungsbedarf. Daher sollen in dem gemeinsamen Projekt verschiedene Aspekte zusammengetragen werden, die sowohl der Reaktion des Versorgungssystems und der Fachkräfte als auch den Erfahrungen der Kinder, Jugendlichen und Familien Rechnung tragen.

TP A3:
Hintergrund
Belastbare Angaben zum erforderlichen Umfang (sozial-)pädiatrischer Leistungen der Gesundheitsversorgung liegen unzureichend vor. Angaben von Eltern über gesundheitliche Probleme ihrer Kinder mit und ohne chronische Erkrankungen, deren Gesundheitsversorgung und ihre Zufriedenheit mit der Behandlung während der zurückliegenden 12 Monate sollen erhoben und analysiert werden. Damit soll der Anteil versorgungsbedürftiger Kinder und Jugendlicher in einem Corona-Niedriginzidenzgebiet identifiziert werden, um perspektivisch Bedarfe genauer quantifizieren zu können. Die Querschnittserhebung mittels Online-Befragung schließt Teilnehmende mit Kindern zweier vorhandener Kohorten ein, die im April 2020 initiiert wurden. Es liegen Kontaktdaten von insgesamt 2.318 Personen mit mindestem einem Kind unter 18 Jahren im Haushalt aus der ELISA-Studie (LübEcker Längsschnittuntersuchung zu Infektionen mit SARS–CoV-2 (COVID-19)) (Klein et al. 2021) (n=897) und der CoPa-Studie (Befragung zum Umgang und zur Bewältigung der Corona-Pandemie und ihrer gesundheitlichen und seelischen Auswirkungen) (Peters et al. 2020) (n=1.421) vor. Unter den Annahmen einer geschätzten Response von 30 bis 50% und irgendeine Einschränkung bei ca. 35% (lt. KIGGS 39%) der Kinder wird mit Angaben von mindestens 695 bis 1.159 Kindern zur Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten und mit mindestens 243 bis 406 Aussagen zur Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung gerechnet.
Die CoPa-Studie ist der Frage nach psychosozialen Belastungen, Copingstrategien und wahrgenommener Stressbelastung in der Bevölkerung ab 18 Jahren und ausgewählten Bevölkerungsgruppen im April und/oder November 2020 nachgegangen. An der Erstbefragung nahmen rund 5.600 und an der Zweitbefragung 2.200 Personen teil.
Folgende Fragestellungen sollen bearbeitet werden:
Wie hoch ist nach Ansicht der Eltern in den letzten 12 Monaten:
• der Anteil an Kindern und Jugendlichen mit gesundheitlichen Problemen?
• der Anteil versorgungsbedürftiger Kinder und Jugendlicher mit und ohne chronische Erkrankung?
• der Bedarf an gesundheitliche Versorgung?
Wie schwierig war es nach Ansicht der Eltern, Versorgungs-Bedarfe für ihr Kind in den letzten 12 Monaten zu erfüllen?
Wie zufrieden sind Eltern mit der medizinischen Versorgung ihres Kindes in den letzten 12 Monaten?

Methoden
Im Rahmen der quantitativen Datenerhebung sollen Eltern einen Link zur Online-Befragung erhalten. Folgende Fragebögen werden eingesetzt: der CSHCN-Screener (Children with Special Health Care Needs-Screener) (Bethell et al. 2002 und 2015; Scheidt-Nave et al. 2007; Schmidt et al. 2004) zur Erfassung besonderer Versorgungsbedarfe bei Kindern und Jugendlichen, der CHC-SUN (Health Care - Satisfaction, Utilization and Needs) (Schmidt et al. 2016) der von Eltern für jüngere Kinder als proxy report ausgefüllt werden kann und der YHC-SUN (Youth Health Care - Satisfaction, Utilization and Needs) (Schmidt et al. 2016; Scheidt-Nave et al. 2008), den Fragebogen können Jugendliche ab dem 16. Lebensjahr als Selbstreport ausfüllen.
Für den CSHCN-Screener liegen Referenzdaten aus dem Gesundheitssurvey für Kinder und Jugendliche in Deutschland (KiGGS) vor. Eine leichte Adaption bzw. Ergänzung der Fragen wird zur Abbildung der aktuellen Situation sowie den in der Literatur gefundenen vorgeschlagenen Präzisierungen im CHC-SUN und YHC-SUN wird in Erwägung gezogen.

Statistik
Kennwerte der Stichprobe werden mit den üblichen deskriptiven Verfahren berechnet. Zur Ermittlung von Assoziationen von elterlichen Faktoren wie Lebensqualität, Stress oder Diagnosen mit der Versorgung ihrer Kinder oder der Zufriedenheit mit der Versorgung werden Regressionsanalysen durchgeführt. Als Effektschätzer werden nichtstandardisierte und standardisierte Koeffizienten mit dazugehörigen 95 %-Konfidenzintervallen ermittelt. Zur Beurteilung der Güte der Regressionsmodelle werden korrigierte R-Quadrate berechnet. Die Daten werden mit dem Statistikprogramm SPSS 22.0 ausgewertet.

Für die ELISA-Studie liegt ein positives Ethikvotum der Ethikkommission der Universität zu Lübeck vor (Aktenzeichen 20-150). Im Verlauf der Studie wurden ergänzende Amendments eingereicht, auch hierfür wurden keine Bedenken geäußert. Die ELISA-Studie wurde am 28.10.2020 im Deutschen Register Klinischer Studien (DRKS) registriert (DRKS-ID der Studie: DRKS00023418).
Auch für die CoPa-Studie liegt ein positives Ethikvotum der Ethikkommission der Universität zu Lübeck vor (Aktenzeichen 20- 118). Die Studienregistrierung der CoPa-Studie erfolgte am 26.10.2020 (DRKS-ID der Studie: DRKS00023393) im Deutschen Register Klinischer Studien.
Statusfinished
Effective start/end date01.07.2131.12.21

Collaborative partners

  • Prof. Dr. Ute Thyen (Coordinator) (lead)
  • PD Dr. med. Thorsten Langer (Project Staff)
  • Prof. Dr. med. Volker Mall (Project Staff)
  • Prof. Dr. Michael S. Urschitz (Project Staff)
  • Dr. med. univ. Michael Eichinger, MSc (Project Staff)
  • Prof. Dr. Amelie Wuppermann (Project Staff)

UN Sustainable Development Goals

In 2015, UN member states agreed to 17 global Sustainable Development Goals (SDGs) to end poverty, protect the planet and ensure prosperity for all. This project contributes towards the following SDG(s):

  • SDG 3 - Good Health and Well-being

Research Areas and Centers

  • Research Area: Center for Population Medicine and Public Health (ZBV)

DFG Research Classification Scheme

  • 2.22-02 Public Health, Healthcare Research, Social and Occupational Medicine
  • 2.22-20 Pediatric and Adolescent Medicine

Research on Coronavirus/Covid-19

  • Research on SARS-CoV-2 / COVID-19

Funding Institution

  • Federal Institutions

ASJC Subject Areas

  • Pediatrics, Perinatology, and Child Health