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Patientenpräferenzen und Wartebereitschaft für eine medizinisch-beruflich orientierte orthopädische Rehabilitation: Ein Discrete Choice Experiment

M. Bethge*

*Korrespondierende/r Autor/-in für diese Arbeit

Abstract

Hintergrund: Die Umsetzung einer stärkeren Patientenorientierung bedarf eines gesicherten Wissens um Bedürfnisse, Präferenzen und Qualitätsmaßstäbe der betroffenen Personen. Für die Untersuchung solcher komplexen Präferenzen werden in der internationalen Versorgungsforschung seit einigen Jahren Discrete Choice Experimente (DCE) eingesetzt. Das Verfahren nutzt Gegenüberstellungen von zwei oder mehr Dienstleistungen, die sich in mehreren Merkmalen unterscheiden, um attributbezogene Entscheidungen für eine dieser Dienstleistungen zu erhalten. Aus diesen Entscheidungen lässt sich die Bedeutsamkeit der berücksichtigten Merkmale schätzen. Ziel: Ein DCE wurde durchgeführt, um die Präferenzen von Rehabilitanden hinsichtlich der Ausgestaltung einer orthopädischen Rehabilitation zu untersuchen. Die Studie sollte darüber hinaus Analysen zur theoretischen Validität des Ansatzes ermöglichen. Methoden: Die Datenerhebung fand im Rahmen einer cluster-randomisierten Studie zur Wirksamkeit einer medizinisch-beruflich orientierten orthopädischen Rehabilitation statt. Das DCE berücksichtigte vier Programmmerkmale (Angebot einer Sozial- und Berufsberatung, Angebot eines arbeitsbezogenen Stressbewältigungstrainings, Therapieintensität und Wartezeit). Aus dem Möglichkeitsraum denkbarer Programme wurden für die Befragung neun Entscheidungssets generiert. Ergebnisse: Die Auswertungen berücksichtigten Angaben von 223 Patienten, für die 1 796 bearbeitete Entscheidungssets vorlagen. Die befragten Personen zeigten deutliche Präferenzen für das Angebot einer Sozialberatung (β=0,20; 95% KI: 0,10 bis 0,30) und eines arbeitsbezogenen Stressbewältigungstrainings (β=0,70; 95% KI: 0,60 bis 0,80), eine Erhöhung der Therapiezeit von 3 auf 5 Stunden (β=0,36; 95% KI: 0,21 bis 0,50) sowie verringerte Wartezeiten (β=−0,07; 95% KI: −0,10 bis −0,03). Die relative Bedeutung (RB) war für das Angebot eines arbeitsbezogenen Stressbewältigungstrainings am höchsten (RB=45,7%). Für ein solches Angebot würden die befragten Personen 10 Wochen zusätzliche Wartezeit in Kauf nehmen. Die segmentspezifischen Analysen für Personen mit günstigen und ungünstigen Stressbewältigungsstrategien bestätigten höhere Nutzenerwartungen an ein Stressbewältigungstraining für Personen mit geringer Distanzierungsfähigkeit (χ2=13,27; p<0,001). Schlussfolgerung: Die hohen Nutzenerwartungen erwerbstätiger Personen an ein in die orthopädische Rehabilitation integriertes berufsbezogenes Stressbewältigungstraining zeigen, dass für die Implementierung eines solchen Angebots ausreichende Akzeptanz und Compliance zu erwarten ist. Da die Umsetzung einer stärkeren Patientenorientierung eines gesicherten Wissens um Patientenpräferenzen bedarf, könnte die Weiterentwicklung von Gesundheitsdienstleistungen zukünftig auch hierzulande von DCE profitieren.
Titel in ÜbersetzungPatient preferences and willingness to wait for a work-related orthopaedic rehabilitation: A discrete choice experiment
OriginalspracheDeutsch
ZeitschriftGesundheitswesen
Jahrgang71
Ausgabenummer3
Seiten (von - bis)152-160
Seitenumfang9
ISSN0941-3790
DOIs
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2009

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