Neurale Schätzung feindseliger Erwartungen

Projekt: DFG-ProjekteDFG Einzelförderungen

Projektdetails

Projektbeschreibung


Feindselige Erwartungen können definiert werden als die Annahme, dass in zweideutigen oder neutralen Situationen aggressives Verhalten auftritt. Mein Ziel im vorgelegten Projekt ist es, kognitive Modelle zur Akquisition und Implementierung von feindseligen Erwartungen auf kognitiver und neuraler Ebene zu definieren und zu testen. Es wird auch untersucht, ob feindselige Erwartungen andere kognitive und verhaltensbezogene Komponenten von Aggression vorhersagen können, wie bspw. feindselige Attributionen (d.h. die Neigung, Schuld oder Absicht nach neutralen oder zweideutigen Ereignissen zuzuschreiben). Zu diesem Zweck wird ein Paradigma etabliert, bei dem entweder hohe oder niedrige Bedrohungserwartungen induziert werden (z.B. ein Gegner zieht eine Pistole mit hoher oder niedriger Häufigkeit). Diesen Erwartungen folgen entweder aggressive oder neutrale Ereignisse (der Gegner zieht eine Pistole oder ein Handy). Die probabilistische Struktur der Aufgabe wird so manipuliert, dass aggressive Ergebnisse mit variabler Frequenz über Durchgänge hinweg erfolgen. Mittels formeller Analysen wird gemessen, inwieweit Probanden solche Probabilitätswechsel erlernen können, um dies sowohl mit neuraler Aktivität als auch mit Verhaltensmaßen und Selbsteinschätzungen von Aggression und Feindseligkeit zu korrelieren. Der Einsatz von Elektroenzephalografie und funktionelle Magnetresonanztomographie wird für eine detaillierte Charakterisierung der Implementierung feindseliger Erwartungen im Gehirn verwendet werden. Diese neuartige, multidisziplinäre Annäherung erlaubt prädiktive und prospektive Prozesse aggressiver Kognition zu kombinieren und ihre neuralen Korrelate in zeitlichen und räumlichen Domänen zu charakterisieren. Das vorgelegte Projekt wird ein präziseres Verständnis der kognitiven und neurobiologischen Grundlagen von Aggression ermöglichen. Dies wird dazu beitragen, bestehende Theorien zu verfeinern und die prädiktive Validität von Instrumenten zur Beurteilung aggressiven Verhaltens zu verbessern.

Ergebnisbericht

Aggressive individuals often “see red”: they assume that others want to harm them even in neutral or ambiguous situations. This makes them jump to conclusions and rashly act on their impulses. A better understanding of how these tendencies emerge might help us predict and manage antisocial behavior. Here, we crafted a virtual shooting task to measure how people develop hostile expectations. In the task, a sample of 256 healthy young adults had to either shoot or withhold their weapon depending on whether they expected another person to draw a gun or a phone. In this context, a tendency to shoot more often signals higher hostile expectations. Using computer algorithms, we were able to parse different aspects of hostile expectation learning and inspected whether they were linked with self-reported aggressive and psychopathic tendencies. As expected, persons with higher levels of aggressive and psychopathic traits developed more pronounced hostile expectations - i.e., they shot their gun more often. However, their hostile expectations were also more uncertain, meaning that they generally shot more indiscriminately. Surprisingly, persons with high levels of aggressiveness and psychopathy also showed more temporally stable hostility beliefs. This implies that their hostile expectations were more resistant to change once learned. As a result, they were more surprised when non-aggressive outcomes ensued (when their rival drew a phone instead of a gun). In sum, our study shows that persons with higher aggressiveness and psychopathy acquire strong and stable yet imprecise hostile expectations. Our findings thus provide fine-grained, mechanistic insight into the architecture of hostile thought and could potentially inform violence risk assessment and anger management therapy among others.
Statusabgeschlossen
Tatsächlicher Beginn/ -es Ende01.01.2031.12.21

UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung

2015 einigten sich UN-Mitgliedstaaten auf 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) zur Beendigung der Armut, zum Schutz des Planeten und zur Förderung des allgemeinen Wohlstands. Die Arbeit dieses Projekts leistet einen Beitrag zu folgendem(n) SDG(s):

  • SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen

Strategische Forschungsbereiche und Zentren

  • Forschungsschwerpunkt: Gehirn, Hormone, Verhalten - Center for Brain, Behavior and Metabolism (CBBM)

DFG-Fachsystematik

  • 206-08 Kognitive und Systemische Humanneurowissenschaften
  • 206-04 Kognitive, Systemische und Verhaltensneurobiologie
  • 110-01 Allgemeine, Kognitive und Mathematische Psychologie