Konzeptualisierung während des Beschreibens von komplexen Szenen untersucht mit erreigniskorrelierten Potentialen (EKP)

Projekt: DFG-ProjekteDFG Einzelförderungen

Projektdetails

Projektbeschreibung

Sprachmodelle, wie das von Levelt (Levelt, 1989; Levelt et al., 1999) umfassen drei Stufen: Konzeptualisierung, Formalisierung und Artikulation. Diese strikte Trennung der Verarbeitungsstufen ist keineswegs willkürlich, sondern beruht auf empirischen Daten aus Studien zu "Versprechern" und zum "Bildbenennen" (für einen Überblick s. Levelt et al., 1999). Neben der Frage, welche einzelnen Stufen mitwirken, wurde auch genau untersucht, wann diese Information verfügbar wird (für einen Überblick von Bildbenennstudien s. Pechmann et al., 2002, für einen Überblick über elektrophysiologische (EKP) Untersuchungen s. Kultas et al. 2000; Münte et al., 2000; Schmitt et al., 2000, 2001). Dieser Antrag fokussiert auf die genauere Untersuchung des Informationsablaufs innerhalb der Konzeptualisierung. Als Messmethode verwenden wir das ereigniskorrelierte Hirnpotential (EKP), da es durch seine gut zeitliche Auflösung über den zeitliches Ablauf des Informationsabrufes Auskunft geben kann. bisher existieren unseres Wissens, mit Ausnahme einer eigenen in Bearbeitung befindlichen Studie (in Zusammenarbeit mit Dietrich, VanNice, Berlin) noch keine EKP Experimente zu komplexen Beschreibungen. Es ergeben sich dabei einige methodische Schwierigkeiten, für die wir aber Lösungen vorgesehen haben. Zur einfachen Bildbennenung sind hingegen EKP-Untersuchungen durchgeführt worden, die nachweisen, dass der Abruf von phonologischen und semantischen Informationen beim Benennen einen unterschiedlichen Zeitverlauf aufweisen (Eulitz et al, 2001; Schmitt et al., 2002). Diese Studien benutzten "offenes Sprechen", wobei sich ergab, dass die damit verbundenen Muskelartefakte im EKP-Signal bei geneuer Kontrolle des Designs eine Auswertung nicht ausschlossen. In einer weiteren Pilotstudie haben wir längere Sprachäußerungen aufgezeichnet, mit Tiggern versehen und ereigniskorrelierte Potentiale aufgezeichnet. Hierbei zeigte sich, dass Sprechartefakte auftreten. Diese lassen sich aber mit einem neuen Verfahren (Independent Component Analysis, Makeig et al.) identifizieren und beseitigen. Somit sind die methodischen Voraussetzungen geschaffen, um die geplanten Studien durchzuführen.

Ergebnisbericht

In einem kombinierten elektrophysiologisch-bildgebendem Ansatz untersuchten wir Aspekte der Konzeptualisierung bei der Sprachproduktion. Vorgänge der Konzeptualisierung gehen der Versprachlichung der Sprachbotschaft voraus. Es muss in diesem Stadium entschieden werden, was gesagt wird und wie es gesagt werden soll. Wesentliche Faktoren bei der Konzeptualisierung sind (a) das gemeinsame Wissen von Sprecher und Empfänger, (b) die Frage, ob ein Konzept bereits in den Diskurs eingeführt ist oder nicht (bei eingeführten Konzepten kann gegebenenfalls ein Pronomen verwendet werden) und (c), in welcher Reihenfolge unterschiedliche Konzepte versprachlicht werden sollen. Das Projekt fokussierte zum einen auf den letzteren Aspekt, die „Linearisierung", und die Frage des Eingeführtseins von Konzepten, die „Pronominalisierung". Hierbei ergaben sich in insgesamt 9 Studien, dass gemäß unserer Aufgabenanalyse schwierigere Konzeptualisierungsbedingungen mit einer parietal ausgeprägten Positivierung im ereigniskorrelierten Hirnpotential einhergingen, die im Sinne einer Allokation von attentionalen Ressourcen interpretiert wurde. Dieser Effekt ergab sich sowohl für Prozesse der Linearisierung (Stadium der Makroplanung nach Levelt) als auch für Prozesse der Pronominalisierung (Stadium der Mikroplanung nach Levelt). Ein elektrophysiologisches Korrelat der eigentlichen Konzeptualisierung konnten wir nicht darstellen. Kernspintomographisch konnten wir in einer Studie zur Linearisierung Modulationen in verschiedenen Regionen im Bereich des perisylvischen Kortex nachweisen (Bevor > Nachdem Bedingung), was darauf hinweist, dass diese Areale an Konzeptualisierungsprozessen beteiligt sind.
Statusabgeschlossen
Tatsächlicher Beginn/ -es Ende01.01.0331.12.08

UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung

2015 einigten sich UN-Mitgliedstaaten auf 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) zur Beendigung der Armut, zum Schutz des Planeten und zur Förderung des allgemeinen Wohlstands. Die Arbeit dieses Projekts leistet einen Beitrag zu folgendem(n) SDG(s):

  • SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen

Strategische Forschungsbereiche und Zentren

  • Forschungsschwerpunkt: Gehirn, Hormone, Verhalten - Center for Brain, Behavior and Metabolism (CBBM)

DFG-Fachsystematik

  • 110-01 Allgemeine, Kognitive und Mathematische Psychologie